Mit dem Universalstreuer fährt Landwirt Stefan Leichenauer Reihe für Reihe über eines seiner Getreidefelder. Seine 90 Hektar Ackerland werden mit Kompost gedüngt. Stefan Leichenauer vom Lauterbach-Hof im baden-württembergischen Tengen setzt seit 16 Jahren auf Biogutkompost von RETERRA. Er gehört damit zu den Landwirten in Deutschland, die für ihren Betrieb auf RAL-gütegesicherten Kompost setzen. Das humusreiche Kompostmaterial ist eine nachhaltige Nährstoffquelle und verbessert Böden auf vielfältige Weise. Insgesamt sorgt Kompost dafür, dass Humus im Boden erhalten bleibt und sich der Gehalt an organischer Substanz erhöht. Das macht Böden resilienter, widerstandsfähiger gegen Witterungsereignisse wie Starkregen, Hitze und Trockenheit – Wetterphänomene, die mit der Klimaveränderung stärker und unvorhersehbarer geworden sind.
Ein intakter Boden ist Grundlage für unsere Ernährung, ein bedeutender CO2-Speicher und ein Wasserspeicher. Humus hat daran großen Anteil.
Bodenschutz ist Klimaschutz
Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass Wälder, Wiesen und Weiden in Europa derzeit Kohlenstoffsenken darstellen, Ackerstandorte hingegen gelten als schwache Kohlenstoffquellen. Der Schutz des Bodens vor Kohlenstoffverlusten ist von großer Bedeutung, um den Klimawandel einzudämmen. Ein intakter Boden ist Grundlage für unsere Ernährung, ein bedeutender CO2-Speicher und ein Wasserspeicher. Humus hat daran großen Anteil. Doch Humus nimmt durch Landwirtschaft stetig ab, wenn organische Substanz in Form von Getreide und Gras abgefahren wird. Die wertvolle obere Bodenschicht kann verloren gehen durch Winderosion, Bodenverdichtung und Starkregen. Dabei braucht es, um eine ein Zentimeter starke Humusschicht aufzubauen, im gemäßigten Klima Europas etwa 100 Jahre.
Boden geht verloren
Derzeit geht weltweit mehr fruchtbarer Boden verloren, als neuer entsteht. Der Boden ist inzwischen eines der am stärksten gefährdeten Ökosysteme der Erde. Humusverlust, Erosion, Verdichtung, Versalzung und Verschmutzung haben viele Böden an den Rand ihrer Belastbarkeit gebracht. Nährstoffkreisläufe geraten ins Stocken, Bodenleben geht verloren und Erträge sinken. Die Fähigkeit der Böden, Wasser zu speichern oder Kohlenstoff zu binden, nimmt ab – mit direkten Auswirkungen auf die Klimaresilienz. Schreitet die Degradierung noch weiter voran, bilden sich Wüsten. Versteppung und Austrocknung betreffen nicht nur die globale Südhalbkugel, sondern zunehmend auch Europa. Teile Südspaniens, Italiens oder Griechenlands zeigen bereits deutliche Anzeichen von Desertifikation.
Stefan Leichenauer setzt seit 16 Jahren auf die Produkte von RETERRA. Das humusreiche Kompostmaterial sorgt dafür, dass Böden resilienter und widerstandsfähiger gegen Witterungsereignisse werden
Einfluss von Kompostdüngung: Der Boden ist humusreicher und lockerer, sodass die Pflanzen besser wurzeln können, mehr Nährstoffe bekommen und besser wachsen
Gesunder Boden als CO2-Speicher
Auch in Deutschland zeigen sich deutliche Spuren: Mindestens ein Fünftel der Ackerflächen gilt als stark erosionsgefährdet. Besonders anfällig sind Regionen, in denen Böden häufig offenliegen oder intensive Bearbeitung ihre Struktur schwächt. Intensive Landwirtschaft gilt als einer der Haupttreiber der Bodendegradierung. Hohe Düngergaben, chemische Pflanzenschutzmittel, schwere Maschinen und monotone Fruchtfolgen belasten die Bodenstruktur und das Bodenleben. Wird Boden fruchtbar gehalten, speichert er große Mengen CO2. Degradierter Boden emittiert hingegen CO2. Da diese Böden Wasser schlechter speichern können, nehmen Überschwemmungen und Dürren zu und Pflanzen werden anfälliger für Stress. Eine Landwirtschaft, die als Kreislaufwirtschaft organisiert ist, wirkt dieser Entwicklung nachhaltig entgegen. Ein Verzicht auf oder eine Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln schont die Bodenorganismen. Die Verbesserung der Bodenqualität durch Kompostgabe, Mulchen und gezielte Düngung kann die Kohlenstoffspeicherung fördern und die Bodengesundheit fördern.
Die Humuswelt
Als Humus wird die Gesamtheit der zersetzten organischen Substanz im Boden bezeichnet. Humus ist ein komplexes Gemisch von organischen Stoffen aus pflanzlicher, tierischer und mikrobieller Herkunft, das permanent ab-, um- und aufgebaut wird. Humus besteht zu rund 60 Prozent aus Kohlenstoff, der von Pflanzen dem CO2 der Luft entnommen wurde. Weitere Bestandteile sind Stickstoff, Phosphor und Schwefel. Die Humusvorräte des Bodens haben eine unterschiedliche Stabilität und Lebensdauer. In Ackerböden stecken etwa ein bis zwei Prozent Humus, in Grünlandböden etwa zehn Prozent und Moorböden enthalten zwischen zehn und 20 Prozent Humus. Die Fachleute unterscheiden zwischen Nähr- und Dauerhumus: Nährhumus besteht aus Resten von Pflanzen und anderen Lebewesen, die zerkleinert wurden, biochemisch weitgehend instabil sind und leicht zur Nährstoff- und Energiefreisetzung abgebaut werden. Dauerhumus sind stabilere organische Molekülverbände mit einem Gerüst aus Kohlenstoffketten, die als Nährstoff- und Wasserspeicher sowie als Lebensraum für besonders viele Mikroorganismen dienen.
Humus schafft Lebensraum
Humus sichert eine Vielzahl von biologischen und ökologischen Bodenfunktionen und trägt maßgeblich zur Ausbildung der Bodenstruktur bei. Außerdem schafft Humus Lebensräume für Bodenorganismen und nimmt als Speichermedium für Kohlenstoff eine zentrale Funktion im Kohlenstoffkreislauf ein. Humus ist Speicher- und Puffermedium für Wasser, Nähr- und Schadstoffe und steuert wesentlich das Nähr- und Schadstoffrückhaltevermögen der Böden. Meist sind die Humusgehalte in Oberböden größer als in Unterböden. Daher sind die oberen Schichten besonders empfindlich gegenüber nutzungsbedingten und durch den Klimawandel ausgelösten Veränderungen.
Ökosystem Boden: Kompetente Crew
Der Boden unter unseren Füßen ist für den Großteil der Menschen so unbekannt wie entfernte Galaxien. Dabei lebt und arbeitet dort eine sehr zahlreiche und sehr kompetente Crew. In der oberen Bodenschicht eines fruchtbaren Bodens leben pro Quadratmeter eine Billiarde Bakterien. Bis ein einziges Blatt wieder komplett zu Humus umgewandelt worden ist, wird es viele Male gefressen und wieder ausgeschieden. Dabei arbeiten Bodenbewohner Hand in Hand: Asseln, Springschwänze und Tausendfüßler kümmern sich ums Grobe. Dann übernehmen Fadenwürmer und Einzeller, die für die Feinzerkleinerung zuständig sind. Bakterien und Pilze besiedeln das Material.
Regenwürmer, Mäuse und Maulwürfe graben Gänge, durchmischen und belüften die Bodenschichten. Durch diesen Prozess, die Humifizierung, bilden sich Huminstoffe und reichern sich in den oberen Bodenschichten an. Sie geben dem Boden seine typisch dunkle Farbe. An diesen Huminstoffen hängen Mineral- und Nährstoffe, die die Pflanzen für ihr Wachstum benötigen. Damit die Nährstoffe pflanzenverfügbar sind, müssen die Huminstoffe von Mikroorganismen zu CO2 und H2O abgebaut werden. Bei dieser Mineralisierung werden die Nährstoffe, die ursprünglich in der toten organischen Substanz gesteckt haben, freigesetzt und können über die Wurzeln aufgenommen werden.
Regenwürmer, Mäuse und Maulwürfe graben Gänge, durchmischen und belüften die Bodenschichten. Durch diesen Prozess, die Humifizierung, bilden sich Huminstoffe und reichern sich in den oberen Bodenschichten an.
Kompostierung bei RETERRA
Die REMONDIS-Tochter RETERRA betreibt weltweit über 100 Kompostierungs- und Vergärungsanlagen zur Verwertung von Bioabfall aus den Biotonnen und Grüngut. In dem Anlagennetzwerk werden pro Jahr mehr als 2,5 Millionen Tonnen organische Reststoffe verarbeitet. Das Material wird in zertifizierten Prozessen zu RAL-gütegesicherten Kompostsorten, Erden und Substraten verarbeitet sowie teilweise in Strom und Wärme umgewandelt. Darüber hinaus entstehen Mulchprodukte, Spielplatzfallschutz, Klärdünger und Holzbrennstoffe sowie technische Substrate.
Pirmin Eibofner ist Vertriebsleiter von RETERRA Hegau-Bodensee. Das Unternehmen versorgt die Region mit Kompost. Zu den langjährigen Kunden gehört auch Stefan Leichenauer vom Lauterbach-Hof
Vom Biogut zum Kompost
Alle Kompostierungsanlagen von RETERRA sind etwas unterschiedlich. Der Prozess vom Biogut zum Kompost umfasst mehrere Schritte – in der Anlage Ahrensfelde beispielsweise diese: Zunächst wird das angelieferte Biogut aus den Sammelfahrzeugen in einer Anlieferhalle abgekippt. Nach der Sichtung und Qualitätsprüfung wird das Material über Förderbänder geführt, homogenisiert und zerkleinert. Magnetabscheider sammeln eisenmetallische Fremdstoffe heraus. Hintereinandergeschaltete Siebanlagen entfernen grobe Fremdkörper wie Kunststoff und große Steine. Die letzte Aussortierung grober Fraktionen erfolgt in vielen Anlagen händisch nach Sichtkontrolle durch RETERRA-Mitarbeiter. Das grobe Biogut wird in den sogenannten Logistiktunnel befördert. Der feine Anteil geht in den Vorlagebunker. Aus diesem Vorlagetunnel wird der Fermenter, das Kernstück der Anlage, regelmäßig mit neuem Material bestückt. Im Fermenter wandeln Milliarden von Mikroorganismen unter perfekten Bedingungen und unter Ausschluss von Sauerstoff, also anaerob, die organische Masse in Biogas um.
Das Biogas wird abgeschieden. Das zähflüssige Gärprodukt wird nach etwa 20 Tagen mit einer Vakuumtechnik aus dem Fermenter herausgesaugt und mit dem groben Biogut im Logistiktunnel gemischt. Von dort geht das Material schließlich in große Betongaragen, die Rottetunnel, und mit kontrollierter Belüftung bei perfekten Temperatur- und Feuchtebedingungen rottet das Material nun etwa 14 Tage, bevor es weiterverarbeitet wird.
Der Kompost wird entnommen, nochmals intensiv aufbereitet, letzte Störstoffe werden herausgefischt. Dann wird das Material in die unterschiedlichen Korngrößen gesiebt. Am Ende der Siebstufe werden durch Mehrstufen-Windsichter kleinste Reste von Kunststoff- und Folienbestandteilen ausgeblasen.
Wissenswertes rund um Humus
findet sich unter: www.humus.de
Der bessere Bodenverbesserer
„Der Kompost enthält alle Nährstoffe, die Pflanzen brauchen“, sagt Jan Dübbelde, Bereichsleiter Bioenergie und Biomasse bei REMONDIS. „Mit RETERRA-Komposten werden erhebliche Einsparungen im Mineraldüngereinsatz von Phosphor, Kalium, Kalzium und Magnesium erzielt. Über die basisch wirksamen Bestandteile in Komposten wird zudem die Erhaltungskalkung weitgehend abgedeckt. Auch Schwefel sowie die Spurenelemente Kupfer und Zink sind als wertgebende Nebenbestandteile zu berücksichtigen.“ Damit sind Komposte ideale Bodenverbesserer und ein wunderbarer Pflanzgrund. „Der hohe Anteil organischen Materials trägt zum Humusaufbau bei und verbessert somit nicht nur die Struktur des Bodens und beugt der Erosion vor, sondern sorgt auch für die Aktivierung des Bodenlebens“, sagt Jan Dübbelde. „Gleichzeitig trägt unser Kompost erheblich zur Regulierung des Wasserhaushalts und zur Stabilisierung eines gleichmäßigen Mikroklimas bei.“
Humus in der Landwirtschaft
Fast 58 Prozent der Komposte werden in der Landwirtschaft ausgebracht (Bundesgütegemeinschaft Kompost, 2020). Insbesondere Ökolandbaubetriebe setzen das humusreiche Material gerne ein, doch auch konventionelle und hybride Betriebe setzen immer häufiger auf Humus. „Heute sind wir tatsächlich immer ausverkauft“, berichtet Pirmin Eibofner, Vertriebsleiter von RETERRA Hegau-Bodensee. Das Unternehmen versorgt die Landwirtschaft in der Region, Gartenbau und Privatleute mit Kompost. Auch Landwirt Stefan Leichenauer bezieht das Kompostmaterial für seinen Lauterbach-Hof hier. „Ein großer Teil unserer Arbeit besteht aus Aufklärung und Information“, sagt Pirmin Eibofner.
„Mit RETERRA-Komposten werden erhebliche Einsparungen im Mineraldüngereinsatz von Phosphor, Kalium, Kalzium und Magnesium erzielt.“
Jan Dübbelde, Bereichsleiter Bioenergie und Biomasse bei REMONDIS
Aufklärung in Sachen Kompost
Auf Messen und regionalen Veranstaltungen informiert RETERRA über die Eigenschaften von Kompost. „Meistens präsentieren wir unseren Kompost sowie flüssiges Gärprodukt und klären über Anwendungsweise, Inhaltsstoffe und die Vorteile für den Boden auf“, sagt Pirmin Eibofner. „Auf diesem Weg versuchen wir, mit den gängigen Vorurteilen gegenüber Kompost aufzuräumen.“ Dazu gehören die Furcht vor enthaltenen Schwermetallen und anderen Störstoffen sowie mögliche Probleme durch Geruch und Staub. „Wir laden Landwirte zu uns auf die Anlage ein und klären zusammen mit landwirtschaftlichen Verbänden sowie den Bioverbänden über die Kompostherstellung auf.“
Besonders bei jüngeren Landwirten sieht der Kompostexperte ein wachsendes Interesse gegenüber dem Bodenschutz. „Es geht ihnen darum, das Auslaugen der Böden zu stoppen und die Böden resilienter für die Zukunft zu machen.“ RETERRA hat ebenfalls konkrete Ziele: „Wir wollen die Qualität unserer Komposte weiter steigern“, sagt Pirmin Eibofner. Dazu gehöre es, den Gehalt an Störstoffen weiter zu senken, den Rottegrad zu erhöhen, die Absiebeprozesse zu verfeinern und den Service für die Kunden stetig zu verbessern. „Derzeit rollen wir eine Software aus, die es landwirtschaftlichen Betrieben erleichtert, die Kompostausbringung auf ihren Feldern zu planen und umzusetzen.“
„Wir laden Landwirte zu uns auf die Anlage ein und klären zusammen mit landwirtschaftlichen Verbänden sowie den Bioverbänden über die Kompostherstellung auf.“
Pirmin Eibofner
Interview mit Landwirt Stefan Leichenauer
„Regenwürmer sind meine besten Mitarbeiter“
Landwirt und Landwirtschaftsmeister Stefan Leichenauer betreibt mit seiner Familie den Lauterbach-Hof im baden-württembergischen Tengen in dritter Generation. Zum Betrieb gehören 140 Hektar Land, davon 90 Hektar Ackerland und 50 Hektar Grünland sowie 50 Mastbullen. Stefan Leichenauer hat den Hof 2008 von seinem Vater übernommen. Nach einem Burnout im Jahr 2016 stellte er den Hof komplett neu auf.
Seit 16 Jahren düngt er seine Felder mit Kompost von RETERRA, setzt sich für die regionale Vermarktung ein, hilft anderen Landwirten, die psychische Probleme haben, macht Öffentlichkeitsarbeit für Kompost und Bodenschutz und meldet sich in den Medien zu Wort. RE:VIEWS hat mit Stefan Leichenauer über seine Erfahrungen mit Kompost gesprochen – auch darüber, ob sich der Einsatz wirtschaftlich lohnt.
„Humus ist das Kapital meines landwirtschaftlichen Betriebs. Die oberen 17 Zentimeter meines Bodens, das ist mein Kapital.“
Stefan Leichenauer, Landwirt und Landwirtschaftsmeister
Welche Rolle spielt Humus für Ihren Betrieb?
Stefan Leichenauer: Humus ist das Kapital meines landwirtschaftlichen Betriebs. Die oberen 17 Zentimeter meines Bodens, das ist mein Kapital.
Was tun Sie, um den Humus in Ihren Böden zu halten und den Humusaufbau zu fördern?
Stefan Leichenauer: Im Jahr 2016, nach meinem Burnout, habe ich mich hingesetzt und die alten Bücher meines Vaters gelesen. Bis dahin war der Betrieb auf höhere Ernteerträge und Gewinnmaximierung eingestellt. Dazu gehörten mineralischer Dünger und Pflanzenschutzmittel. Das ist zwar teuer, aber auch bequem und relativ sicher hinsichtlich der Ernteerfolge. Ich habe mich damals gefragt, ob Landwirtschaft auch zukunftsorientierter funktionieren kann, mehr im Einklang mit der Natur und vor allem mit dem Boden als Partner. Hinzu kam, dass die Erträge unserer Böden, die schon naturgemäß keine Hochertragsstandorte sind, zurückgingen.
Was ist seitdem aus den Gedanken und Ideen geworden?
Stefan Leichenauer: Wir haben 2010 begonnen, unsere Felder zusätzlich mit Kompost zu düngen. Im Sommer nach der Ernte fahren wir den Kompost auf unsere Felder. Jeder Acker bekommt alle drei Jahre die Kompostdüngung. Dazwischen düngen wir mit mineralischem Dünger. Dieses Prinzip der hybriden Landwirtschaft vereint also Aspekte des konventionellen und des ökologischen Landbaus. Zudem haben wir die Fruchtfolge erweitert und noch besser aufeinander abgestimmt, sodass wir weniger Unkräuter auf den Flächen haben. Als Zwischenfrüchte nehmen wir jetzt verstärkt Humusmehrer wie Kleegras, das wie eine Kur für den Boden wirkt.
Welche Bodenveränderungen haben Sie in den Jahren durch die Kompostdüngung beobachtet?
Stefan Leichenauer: Die Böden sind dunkler geworden. Der Humusgehalt meiner Felder ist von ursprünglich 2,5 auf 3,5 bis 4,5 Prozent gestiegen. Zudem beobachten wir, dass wir meist die letzten sind, die ernten. Unsere Böden sind länger fit, sodass wir unser Getreide länger reifen lassen können. Außerdem verbrauche ich rund 40 Prozent weniger Pflanzenschutz. Die Böden haben eine andere Struktur bekommen und sind leichter zu bearbeiten, sodass ich weniger Diesel verbrauche. Wir sind ein Testbetrieb des Landes Baden-Württemberg. Der Kompost ist für alle diese Entwicklungen der Schlüssel.
Rechnen sich der Einsatz von Kompost und der Humuserhalt auch wirtschaftlich?
Stefan Leichenauer: Die ersten fünf Jahre hat es tatsächlich eher Geld gekostet, als dass es etwas eingebracht hat. Kompost ist schon ein Kostenfaktor. Aber ich sehe es eher wie ein Sparschwein. Das Geld, das du hineinwirfst, bekommst du später wieder raus. So hatten wir 2023 ein wirklich trockenes Jahr hier in der Region. Unsere Erträge waren dennoch gut. Ein anderes Jahr hatten wir lange Dauerregenperioden, sodass viele Kollegen mit Fäulnis und Minderqualität zu kämpfen hatten. Wir konnten hingegen den gesamten Weizen als hochwertigen Backweizen verkaufen.
Wie ist das Interesse Ihrer Kollegen mit Blick auf Bodenresilienz, Klimawandel und Bodenschutz?
Stefan Leichenauer: Von manchen Kollegen werde ich belächelt und einige denken wohl, dass ich mich einfach nicht traue, auf Biolandwirtschaft umzustellen. Doch es gibt auch die Kollegen, die sich ähnliche Gedanken um den Bodenschutz machen wie wir. Gemeinsam mit konventionell und ökologisch wirtschaftenden Landwirten aus dem Acker-, Grünland-, Obst- und Gemüsebau in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben wir uns in den Boden-AGs der Bodensee-Stiftung getroffen.
Wir haben uns in einem lockeren Rahmen über Erhalt und Förderung von Bodenfruchtbarkeit und -gesundheit ausgetauscht. Wir haben so viel voneinander gelernt – das hätten wir nicht in einem Lehrgang lernen können. Die Betriebe haben sich stark in Größe und Erfahrung unterschieden. Mein Fazit aus diesen Boden-AGs sowie aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre lautet: Die Vielfalt in der Landwirtschaft ist eine Stärke. Wir brauchen regionale Konzepte, abgestimmt auf die Standort- und Bodenfaktoren. Landwirtschaft ist bunt.
Bildnachweise: Bild 1: Adobe Stock: Viktor, Kathy, Nippon_Art Gallery; Bild 2, 3, 5, 7: © Stefan Leichenauer; Bild 4: © RETERRA; Bild 6: © REMONDIS





