Die Abfallentsorgungs- und Verwertungsgsellschaft Köln mbH (AVG Köln), eine Öffentlich-Private Partnerschaft der Stadtwerke Köln und REMONDIS, macht den nächsten Schritt bei der Elektrifizierung ihrer Logistik: Ein neuer E-Ladepark und zunächst drei batterieelektrische Lkw sind jetzt offiziell in Betrieb. Eine Besonderheit des Konzepts: Die Energie für die Fahrzeuge stammt direkt aus der Restmüllverbrennungsanlage. Damit werden Energieerzeugung und Logistik direkt miteinander verknüpft.
Startschuss für den neuen Ladepark (v.l.): Martin Garth (Sprecher der Geschäftsführung der AVG Köln), Karl Georg Boje (Geschäftsführung der AVG Köln), William Wolfgramm (Beigeordneter für Klima, Umwelt, Grün und Liegenschaften der Stadt Köln), Thomas Thalau (Geschäftsführung der AVG Köln) und Viktor Haase (Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen)
„Aus Abfall wird Energie – und aus dieser Energie wird Mobilität. Viel anschaulicher kann man kaum zeigen, was moderne Kreislauf- und Energiewirtschaft heute bedeutet. Mit unserer Ladeinfrastruktur und den ersten drei E-Lkw verbinden wir Energieerzeugung und Logistik zu einem konkreten betrieblichen Konzept.“
Martin Garth, Sprecher der Geschäftsführung der AVG Köln
Die drei neuen E-Lkw übernehmen künftig einen Teil der Transporte von Rostaschen, die bei der thermischen Abfallbehandlung entstehen. Ihr Weg führt von der Restmüllverbrennungsanlage der AVG Köln zur rund 30 Kilometer entfernten Aufbereitungsanlage in Erftstadt-Liblar. Zunächst ergänzen die Fahrzeuge die bislang eingesetzten Diesel-Lkw. Perspektivisch sollen insgesamt neun elektrische Nutzfahrzeuge auf der Strecke zwischen Köln und Erftstadt unterwegs sein.
Insgesamt investierte die AVG Köln 2,6 Millionen Euro in das Projekt. Im Rahmen der „Richtlinie Elektromobilität“ wurde es mit 87.000 Euro durch das Bundesministerium für Verkehr (BMV) gefördert. Koordiniert wird die Förderrichtlinie durch die NOW GmbH, die Umsetzung erfolgt durch den Projektträger Jülich (PtJ).
Mit eigener Energie auf die Straße
Auf einem rund 3.000 Quadratmeter großen Gelände an der Geestemünder Straße 23 in Köln-Niehl ist in den vergangenen Monaten eine leistungsfähige Ladeinfrastruktur für schwere Nutzfahrzeuge entstanden. Insgesamt stehen neun Ladesäulen mit zehn Ladepunkten für E-Lkw zur Verfügung.
Sechs der Ladesäulen bieten eine Ladeleistung von jeweils 160 kW, zwei Ladepunkte erreichen 240 kW. Hinzu kommen zwei sogenannte Hypercharger mit jeweils 400 kW Leistung. An ihnen können die Batterien innerhalb von 30 bis 45 Minuten auf bis zu 80 Prozent geladen werden. Der dafür benötigte Strom kommt direkt aus dem Kraftwerk der AVG Köln. Durch die unmittelbare Anbindung des Ladeparks an die Restmüllverbrennungsanlage wird die für den Fahrbetrieb benötigte elektrische Energie vollständig vor Ort erzeugt. Über Nacht dient das Areal den Sattelschleppern damit zugleich als Stellplatz und Ladestation.
Nutzen können die Ladepunkte sowohl Lkw der AVG-Gruppe als auch Fahrzeuge von Kunden, die Abfälle an der Restmüllverbrennungsanlage anliefern. Auch beim Bau des Ladeparks spielte Kreislaufwirtschaft eine Rolle: Rund 2.500 Tonnen gütegesicherte Recyclingbaustoffe aus der Rostaschenaufbereitung wurden eingesetzt und ersetzten entsprechende Primärbaustoffe.
Viktor Haase, Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen
„Eine leistungsfähige Ladeinfrastruktur ist ein Schlüssel für einen erfolgreichen Umstieg auf klimafreundliche Mobilität. Projekte wie dieses setzen wichtige Impulse für Nordrhein-Westfalen, treiben die Elektrifizierung von Fahrzeugflotten voran und ebnen den Weg für eine emissionsfreie Logistik von morgen.“
Drei eActros 400 übernehmen Rostaschetransporte
Zum Start setzt die AVG Köln drei eActros 400 von Mercedes-Benz ein. Die Fahrzeuge der zweiten Modellgeneration mit ProCabin verfügen als erste Modelle von Mercedes-Benz Trucks über einen werkseitig integrierten mechanischen Nebenantrieb (mPTO). Dadurch können sie mit Kippsattelaufliegern eingesetzt werden. Das ist eine wesentliche Voraussetzung für den Transport der Rostaschen.
Jedes Fahrzeug ist mit zwei Batteriepaketen mit jeweils 207 kWh ausgestattet. Daraus ergibt sich eine installierte Gesamtkapazität von 414 kWh. Zum Einsatz kommen Batterien auf Basis der Lithium-Eisenphosphat-Technologie (LFP), die auf eine hohe Lebensdauer ausgelegt sind.
Rund 550 Tonnen CO₂ weniger pro Jahr möglich
Mit dem schrittweisen Ausbau der elektrischen Flotte soll auch die CO₂-Bilanz der Transporte verbessert werden. Sobald neun E-Lkw die Rostaschetransporte übernehmen, rechnet die AVG Köln mit einem täglichen Strombedarf von rund 3.000 kWh. Diese Energiemenge entspricht ungefähr dem jährlichen Stromverbrauch einer dreiköpfigen Familie.
Gegenüber dem bisherigen Transport mit dieselbetriebenen Fahrzeugen können nach Berechnungen der AVG Köln mit neun E-Lkw rund 550 Tonnen CO₂ pro Jahr eingespart werden. Im elektrischen Fahrbetrieb entstehen zudem keine lokalen Abgasemissionen. Auch die Lärmemissionen der Transporte lassen sich gegenüber den bislang eingesetzten Diesel-Lkw reduzieren.
„Die Stadtverwaltung und die städtischen Beteiligungen haben ambitionierte Klimaschutzziele. Hier gilt es, neben langfristigen Strategien auch praktische Maßnahmen umzusetzen, die im alltäglichen Betrieb konkret Wirkung entfalten. Der Umstieg auf alternative Antriebe bei der AVG Köln ist dafür ein gutes Beispiel. Es zeigt, dass Klimaschutz Schritt für Schritt vor Ort umgesetzt werden kann.“
William Wolfgramm, Beigeordneter für Klima, Umwelt, Grün und Liegenschaften der Stadt Köln
Bildnachweise: © Thomas Römbke







