Wie lässt sich Kreislaufwirtschaft bereits bei der Konstruktion und Herstellung eines Trailers mitdenken? Dieser Frage gehen Kögel Trailer, die TSR Group und REMONDIS in einem gemeinsamen Pilotprojekt nach. Ziel ist es, einen Trailer mit einem maximal hohen Anteil an Recyclingrohstoffen zu entwickeln und in die praktische Erprobung zu überführen. Als Grundlage dienen dafür unter anderem Erkenntnisse aus der Demontage und Analyse ausgedienter Trailer.
Gemeinsame Vision, klare Aufgabenteilung
Den Startschuss für das gemeinsame Vorhaben gaben die drei Unternehmen auf der IAA Transportation 2026 in Hannover mit der Unterzeichnung eines Letter of Intent. Die Partner verfolgen dabei eine gemeinsame Vision: Ausgediente Trailer sollen künftig nicht nur verwertet werden, sondern mit ihren enthaltenen Materialien möglichst zur Rohstoffquelle für eine neue Fahrzeuggeneration werden.
Die Aufgaben innerhalb des Projekts sind klar verteilt: Kögel stellt als Trailerhersteller das Fahrzeug bereit und bringt seine Expertise zu Bauteilen und verwendeten Materialien ein. TSR übernimmt die Demontage und Aufbereitung ausgedienter Trailer und begleitet insbesondere die Entwicklung geeigneter Rücknahme- und Recyclingprozesse sowie die Rückführung der gewonnenen Recyclingrohstoffe. REMONDIS und TSR werden den ersten auf dieser Basis entwickelten Trailer anschließend im praktischen Einsatz erproben.
Startschuss auf der IAA Transportation 2026: Sascha Hähnke (REMONDIS), André Zick (TSR) und Thore Bakker (Kögel) stellen das Pilotprojekt vor
Damit nehmen die Projektpartner den gesamten Lebenszyklus eines Trailers in den Blick, das heißt von der Materialauswahl und Herstellung über die Nutzungsphase bis hin zur Demontage und zum Recycling. Auf diese Weise sollen Erkenntnisse darüber gewonnen werden, wie sich die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft bereits bei der Entwicklung und Herstellung neuer Trailer berücksichtigen lassen.
Möglichst hoher Rezyklatanteil
Im ersten Projektabschnitt steht der Einsatz von Post-Consumer-Materialien für die Herstellung eines neuen Trailers im Fokus. Innerhalb der kommenden ein bis zwei Jahre wollen die drei Projektpartner ein Fahrzeug entwickeln, das einen möglichst hohen Anteil recycelter Materialien enthält. Hierbei soll untersucht werden, welche Materialien und Bauteile aus ausgedienten Trailern technisch für die Produktion eines neuen Fahrzeugs genutzt werden können.
„Das ist ein Pilotprojekt“, betont Sascha Hähnke, Geschäftsführer der REMONDIS Sustainable Services GmbH. „Aber es geht vielmehr darum zu zeigen, dass man nicht alles neu produzieren muss. Wir können aus gebrauchten Rohstoffen Recyclingmaterial gewinnen und wiederverwenden. Die Qualität eines zukünftigen Trailers soll dabei genauso gut sein wie die eines Fahrzeugs, das aus neuen Rohstoffen hergestellt wurde.“
Neben den technischen Möglichkeiten nehmen die Projektpartner auch die Auswirkungen auf die Rohstoffversorgung in den Blick. So soll untersucht werden, welches Potenzial Recyclingrohstoffe für resilientere Lieferketten und langfristig für eine stabilere Versorgung mit Rohstoffen bieten können. Auch Lieferanten werden in diesen Prozess einbezogen, um technische Anforderungen und Einsatzmöglichkeiten entlang der Lieferkette zu betrachten.
„Das Potenzial, das wir sehen, ist enorm“, sagt André Zick, Business Development Manager bei der TSR Resource GmbH & Co. KG. „Wir glauben fest daran, dass wir mit unseren Produkten heute schon Primärrohstoffe in der Herstellung eines neuen Trailers ersetzen können.“
Die drei Partner verfolgen ein gemeinsames Ziel: einen Materialkreislauf, in dem die in ausgedienten Trailern enthaltenen Materialien zum Ausgangspunkt für die nächste Trailer-Generation werden
Ausgedienter Trailer liefert Erkenntnisse
Um Erkenntnisse über die Materialzusammensetzung und Recyclingfähigkeit eines ausgedienten Fahrzeugs zu gewinnen, wurde ein Kögel LIGHT PLUS mit einem Gesamtgewicht von 5.960 Kilogramm bei TSR vollständig demontiert. Anschließend wurden die Bestandteile analysiert und einzelnen Materialfraktionen zugeordnet. Rund die Hälfte des Gesamtgewichts entfiel dabei auf Stahl, etwa ein Fünftel auf Aluminium und rund zwölf Prozent auf Altholz.
Die detaillierte Zerlegung ermöglicht es TSR, die Zusammensetzung des Trailers genauer zu bestimmen und daraus Anforderungen an die anschließenden Recyclingprozesse abzuleiten. Denn erst durch die vollständige Demontage zeigt sich, welche Materialien sich in welcher Form und Qualität zurückgewinnen lassen.
Gleichzeitig liefert die Analyse Hinweise darauf, wie sich die spätere Demontage und Rückgewinnung von Materialien bereits bei der Planung und Konstruktion eines Trailers berücksichtigen lassen.
Recyclingrohstoffe zurück in die Fahrzeugproduktion
Auf diesen Erkenntnissen baut der zweite Teil des Projekts auf. Hier wollen die Partner herausfinden, unter welchen technischen und wirtschaftlichen Bedingungen die zurückgewonnenen Materialien erneut bei der Herstellung von Trailern eingesetzt werden können.
Die bisherigen Ergebnisse der Demontage zeigen aus Sicht der Projektpartner ein erhebliches Potenzial für die Rückgewinnung von Wertstoffen. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist eine möglichst sortenreine Trennung. Je besser die unterschiedlichen Materialien voneinander separiert werden können, desto höher kann die Qualität der daraus gewonnenen Recyclingrohstoffe ausfallen und desto geringer sind die Verluste bei der weiteren Verarbeitung.
Neben der technischen Umsetzbarkeit sollen auch verfügbare Mengen, notwendige Rücknahmeprozesse und die Wirtschaftlichkeit des Ansatzes untersucht werden.
Ein geschlossener Materialkreislauf
Für Kögel ist die Zusammenarbeit zugleich Bestandteil des Unternehmensansatzes „Because we care“. Im Mittelpunkt steht dabei nicht allein die Verwertung eines ausgedienten Fahrzeugs. Entscheidend ist vielmehr die Frage, wie sich dessen Rohstoffe möglichst umfassend zurückgewinnen und für neue Produkte einsetzen lassen. „Unsere Vision ist, dass wir in den kommenden ein bis zwei Jahren einen fertigen Trailer zeigen können“, sagt Thore Bakker, CSO bei Kögel. „Jede Vision beginnt mit dem ersten Schritt. Entscheidend ist, ins Handeln zu kommen und mit konkreten Projekten den Weg in die Zukunft zu ebnen.“
Bildnachweise: © TSR





