Die Transformation hin zu einer emissionsarmen Mobilität gelingt nicht im Alleingang. Sie braucht Unternehmen, die gemeinsam Verantwortung übernehmen und die notwendige Infrastruktur schaffen. Ein gelungenes Beispiel dafür liefern REMONDIS Münsterland und die AGRAVIS Raiffeisen AG: Mit der neuen Bio-CNG-Tankstelle in Münster schaffen beide Partner die Voraussetzungen für einen noch effizienteren Einsatz alternativer Antriebe für Sammelfahrzeuge. Damit zeigt sich, wie regionale Kooperationen die Kreislaufwirtschaft und die Mobilitätswende gleichermaßen voranbringen können.
Als vor fünf Jahren in der Stadt Münster die ersten Sammelfahrzeuge mit Biogas-Antrieb für die Abholung der Wertstofftonne auf die Straße gingen, übernahm REMONDIS Münsterland eine Vorreiterrolle. Heute sind bereits mehr als zwanzig Fahrzeuge mit klimafreundlichem Antrieb in Münster und im Kreis Coesfeld unterwegs. Mit einer neuen Bio-CNG-Tankstelle der AGRAVIS Raiffeisen AG in Münster verbessert sich nun auch die Infrastruktur für den Betrieb der Fahrzeuge erheblich. REMONDIS gehört dabei als Ankerkunde zu den ersten Nutzern der Anlage.
Thomas Erkert, AGRAVIS Raiffeisen Tankstellen GmbH, und Tobias Stehling, Regionalleiter Münsterland von REMONDIS, sind sich einig, dass regionale Kooperationen die Kreislaufwirtschaft voranbringen
„Der Biogas-Antrieb überzeugt uns in vielerlei Hinsicht“, sagt Tobias Stehling, Regionalleiter Münsterland von REMONDIS. „Im Vergleich zu konventionellen Fahrzeugen liegen die Mehrkosten lediglich bei fünf bis zehn Prozent. Dadurch können wir auch ohne staatliche Förderprogramme einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigeren Wertstoffsammlung leisten.“ Zum Einsatz kommen Fahrzeuge mit komprimiertem Biogas (Bio-CNG). Der Kraftstoff wird ausschließlich aus Bioabfällen und weiteren Reststoffen gewonnen. In Münster sind derzeit sieben Biogas-Fahrzeuge bei der Leerung der Wertstofftonne im Einsatz.
„Im Vergleich zu konventionellen Fahrzeugen liegen die Mehrkosten lediglich bei fünf bis zehn Prozent. Dadurch können wir auch ohne staatliche Förderprogramme einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigeren Wertstoffsammlung leisten.“
Tobias Stehling, Regionalleiter Münsterland von REMONDIS
Deutlich schnellere Betankung
Die bisherige Betankung in Münster war allerdings alles andere als ideal. Während im Kreis Coesfeld bereits eine speziell für Nutzfahrzeuge ausgelegte Tankstelle zur Verfügung stand, mussten die Fahrzeuge in Münster bislang Pkw-Zapfsäulen nutzen. Die Folge: lange Betankungszeiten und Wartezeiten von bis zu 20 Minuten, bis die Anlage erneut einsatzbereit war. Mit der neuen Bio-CNG-Tankstelle von AGRAVIS gehört dieses Problem der Vergangenheit an. Die Betankung dauert jetzt nur noch drei bis vier Minuten und ermöglicht eine vollständige Tankfüllung. Gleichzeitig verbessert die neue Infrastruktur die Voraussetzungen für weitere Unternehmen der Region, auf Biogas als Kraftstoff umzusteigen. Das Projekt zeigt, wie durch enge Zusammenarbeit von Infrastruktur- und Flottenbetreibern nachhaltige Lösungen entstehen, von denen ganze Regionen profitieren können.
Auch bei AGRAVIS sieht man großes Potenzial. „Bio-CNG und Bio-LNG profitieren von den gesetzlichen Vorgaben zur Treibhausgasminderung im Verkehr und unterliegen beispielsweise nicht der CO2-Abgabe. Gleichzeitig sind sie deutlich weniger abhängig von den Schwankungen der internationalen Energiemärkte. Gerade im Vergleich zu Diesel, aber auch zu Strom, ist das aktuell ein klarer Vorteil“, erläutert Thomas Erkert von AGRAVIS Raiffeisen Tankstellen GmbH.
Für Erkert sind Bio-CNG und Bio-LNG deshalb keine Übergangstechnologien, sondern wichtige Bausteine der Verkehrswende. Sie seien sofort verfügbar, wirtschaftlich attraktiv und ermöglichten Unternehmen mehr Nachhaltigkeit, ohne Einbußen bei der Effizienz hinnehmen zu müssen. Besonders Unternehmen mit planbaren Fahrprofilen – etwa Speditionen, kommunale Flotten, Recyclingunternehmen oder landwirtschaftliche Betriebe – könnten von dieser Antriebstechnologie profitieren.
Thomas Erkert, AGRAVIS Raiffeisen Tankstellen GmbH, an der neuen Bio-CNG-Tankstelle für Lkw
Nachhaltigkeit konsequent weitergedacht
Auch für die REMONDIS Münsterland ist der Einsatz von Biogas ein wichtiger Bestandteil einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft. Ziel ist es nicht nur, Wertstoffe möglichst lange im Kreislauf zu halten, sondern auch deren Sammlung so klimafreundlich wie möglich zu gestalten.
Kritisch bewertet Tobias Stehling allerdings die derzeitige politische Bewertung verschiedener Antriebstechnologien. „Beim CO2-Flottengrenzwert wird ausschließlich der Ausstoß am Fahrzeug berücksichtigt. Dabei bleibt unberücksichtigt, dass bei Bio-CNG das freigesetzte CO2 zuvor von Pflanzen gebunden wurde und somit nahezu ein geschlossener Kohlenstoffkreislauf besteht“, erklärt er. Auch die unterschiedliche Behandlung bei der Lkw-Maut hält er für diskussionswürdig.
Unabhängig davon setzt REMONDIS Münsterland seinen eingeschlagenen Weg konsequent fort. Bereits in naher Zukunft sollen sechs weitere Biogasfahrzeuge den Fuhrpark ergänzen und konventionelle Dieselfahrzeuge ersetzen. Damit wird ein weiterer Schritt hin zu einer noch klimafreundlicheren Wertstoffsammlung umgesetzt.
Bildnachweise: Bild 1: Adobe Stock: comicsans; Bild 2, 3: © REMONDIS; Bild 4: © AGRAVIS





