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24. November 2023

Auf eine Tasse, bitte

Zum Stand der Dinge beim Kaffeekapselrecycling

Recyceln lebt vom Mitmachen. Damit mehr Kaffeetrinkerinnen und Kaffeetrinker ihre gebrauchten Kaffeekapseln sammeln und abgeben, hat REMONDIS Niederlande im Juni 2023 eine Kooperation mit der Ladenkette Blokker geschlossen. „In unserer Anlage in Lichtenvoorde in Gelderland können wir die Aluminiumkapseln effizient recyceln und wertvolle Materialien zurückgewinnen“, erläutert Dr. Andreas Krawczik, Geschäftsführer von REMONDIS Niederlande. „Das Aluminium geht zurück in die Industrie. Der Kaffeesatz wird zu Biogas und hochwertigem Kompost.“

Auch Blokker sieht viele Vorteile in der Zusammenarbeit: „Die Partnerschaft ermöglicht es uns, unsere Kaffeekapseln noch nachhaltiger zu recyceln und so einen positiven Beitrag für die Umwelt zu leisten und das Bewusstsein für Nachhaltigkeit weiter zu stärken“, sagt Blokker-CEO Jeanine Holscher. Was bei dieser Kooperation zwischen REMONDIS und Blokker einfach klingen mag, wird in Deutschland von Kriterien wie Sammelquote, Sammelinfrastruktur, Verbraucheraufklärung und Recyclingtechnik derzeit noch ausgebremst.

Blokker besucht die Recyclinganlage für Aluminium-Kaffeekapseln in Lichtenvoorde. V. l.: Charles van Oort (Supply Chain Manager Blokker), Jannes Wolting (Business Development Manager REMONDIS Nederland), John Schollink (Logistics Director bei Mirage Retail Group), Dr. Andreas Krawczik (Geschäftsführer REMONDIS Niederlande), Joyce Sloot (Category Manager / Einkauf Blokker), Niels Visser (Director Sales REMONDIS Niederlande)

Die rasante Karriere der Kaffeekapseln

Kaffee gehört zu den beliebtesten Getränken. In Deutschland trinken wir sogar lieber Kaffee als Bier oder Mineralwasser, wie aus einer Markterhebung des Deutschen Kaffeeverbands hervorgeht. Jeder trinkt am Tag demnach rund vier Tassen von dem schwarzen Heißgetränk – und zwar immer öfter am liebsten portionsweise und bequem per Knopfdruck. George Clooney hat die kleinen bunten Kaffeekapseln seinerzeit galant lächelnd weltweit bekannt gemacht. „Nespresso? What else?“ sprach er schmunzelnd im Werbeclip und verhalf den kleinen Aluminiumkapseln zur weltweiten Bekanntheit. Der Verbrauch von Kaffeekapseln steigt seither stetig an. Neben Marktführer Nespresso von Nestlé sind inzwischen zahlreiche andere Anbieter in das lukrative Kapselgeschäft eingestiegen. Mit wachsender Beliebtheit sind auch die Verpackungsmengen gewachsen, die diese Kaffeezubereitung mit sich bringt.

Großer Kapselverbrauch = große Wertstoffmenge

Weltweit werden in Privat- und Firmenküchen pro Minute 12.300 Kaffeekapseln aus Aluminium verwendet, so die Einschätzung der Kaffeehersteller. In Deutschland verbrauchen wir im Jahr nach Berechnungen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) rund 3,4 Milliarden (2019) Kaffeekapseln. Das ist eine Wertstoffmenge von 13.500 Tonnen Aluminium, Kunststoff und Papier. Stoffe, für die es europaweit eine bestehende Recyclinginfrastruktur gibt. „Aluminium ist sehr gut geeignet, in den Stoffkreislauf zurückgeführt zu werden und hat als Recyclingstoff eine gute Klimabilanz“, erläutert Dr. Andreas Krawczik, Geschäftsführer von REMONDIS Niederlande.

Warum Aluminiumrecycling wichtig ist

Aluminium ist ein chemisches Element mit dem Elementsymbol Al und der Ordnungszahl 13. Es ist ein sogenanntes Nichteisenmetall. Um Primäraluminium aus Mineralien herzustellen, benötigt man Bauxit – ein seltener natürlich vorkommender Rohstoff, dessen Abbau mit erheblichen Umweltschäden einhergeht. Außerdem ist die Erzeugung von Aluminium aus Bauxit sehr energieintensiv. Das ist anders, wenn das Leichtmetall aus recyceltem Altmaterial hergestellt wird. Der Energieverbrauch ist 20-mal geringer, ebenso wird ein um ein Vielfaches weniger klimaschädigendes CO2 emittiert.

Aus der Kaffeekapsel wird neuer Rohstoff

Gebrauchte Kaffeekapseln, die größtenteils aus Aluminium bestehen, werden im REMONDIS-Werk in Lichtenvoorde in der Provinz Gelderland recycelt. „In unserer modernen Anlage trennen wir im ersten Schritt die Aluminiumkörper von Kunststoffdeckeln und den Kaffeeresten“, erläutert Dr. Andreas Krawczik. Anschließend wird das Aluminiummaterial gepresst oder eingeschmolzen und als wertvoller Recyclingrohstoff an aluminiumverarbeitende Betriebe gegeben. Der Energieverbrauch dieses recycelten Aluminiums ist bis zu 20-mal geringer als das von Primäraluminium. Entsprechend wird auch ein Vielfaches weniger CO2 emittiert. Ein Paradebeispiel für praktizierte Nachhaltigkeit, wenn man bedenkt, dass sich Aluminium verlustfrei wieder und wieder recyceln lässt. Der Kaffeeprütt aus den Kapseln kommt in die angeschlossene Fermentationsanlage inklusive nachgeschalteter Kompostierung. „Auf diesem Weg gewinnen wir aus dem Kaffeesatz im Rahmen einer Kaskadennutzung Biogas, Kompost und CO2-Dünger“, ergänzt Dr. Andreas Krawczik.

Rücknahme-Infrastruktur für sortenreines Sammeln

Damit die Kaffeekapseln in Recyclinganlagen aufbereitet werden können, ist eine sortenreine Sammlung wichtig. REMONDIS Niederlande hat dafür in Zusammenarbeit mit Nestlé bereits vor einiger Zeit ein umfassendes Rücknahmesystem eingeführt und eine komplette Logistik auf die Beine gestellt. Die Kapseln können sowohl in Nespresso-Läden als auch in speziellen Annahmestellen abgegeben werden. Auch eine Rücksendung per Post ist möglich.

Kaffeekapselhersteller Nespresso hat so in den Benelux-Ländern mit der Unterstützung von REMONDIS die 100 Prozent Recyclingkapazität erreicht. Im Rahmen der neuen Partnerschaft mit Blokker wird die Sammlung von Kaffeekapseln im niederländischen Markt nun weiter verstärkt. Blokker nutzt sein Filialnetz zur Sammlung der gebrauchten „Koffiecups“.

Kaffeekapselrecycling in Deutschland

Zwar können auch in Deutschland Nespresso-Kapseln in Filialen des Unternehmens abgegeben werden, damit sie recycelt werden können. Die meisten Kapseln gehen hierzulande jedoch einen anderen Weg: Sie landen in der Gelben bzw. Wertstofftonne – einem Sammelsystem, das es in dieser Form nur in Deutschland gibt und mit dem in erster Linie Verkaufsverpackungen aus Kunststoff und Metall erfasst werden sollen. Somit gehören Kaffeekapseln aus Aluminium durchaus hinein. Da es sich aber um keine sortenreine Sammlung handelt, müssen die kleinen Behälter anschließend von den anderen Wertstoffen separiert werden, um gezielt dem Aluminiumrecycling zugeführt werden zu können. Das ist ein Umweg, den wir uns im Hinblick auf Nachhaltigkeit einsparen könnten.

CO2-Bilanz von Kaffee: Studienlage

Das Recycling der Aluminium-Kaffeekapseln ist wichtig – es spart Rohstoffe und hält Aluminium im Wertstoffkreislauf. Die Umweltbilanz von Kaffee wird hingegen maßgeblich auch von zwei anderen Kriterien bestimmt: Vom Anbau, der einen großen Verbrauch von Wasser und Pestizide nötig macht und der Zubereitung. Für Diskussionen sorgte eine Studie der kanadischen Universität Quebec, die Anfang 2023 veröffentlicht wurde. Tenor: Die Umweltbilanz von Kaffeekapseln sei aufgrund der Zubereitungsmethode des Kaffees möglicherweise besser als die von Filterkaffee. Weil Kaffeekapselmaschinen effizienter arbeiten würden, da weniger Kaffee auf eine abgemessene Menge Wasser treffe. Viola Wohlgemuth von Greenpeace kritisierte die Studie, da sie die Herstellung und Entsorgung der Aluminiumkapseln gar nicht berücksichtige. Thilo Schäfer vom Institut der deutschen Wirtschaft ergänzte, dass positiv an der Studie sei, dass sie sich nicht allein auf die Verpackung konzentriere, sondern den Fokus darauflege, wie energieintensiv oder schädlich Anwendung und Häufigkeit der Nutzung sind.

Kaffeetrinken in Deutschland

Ein Trend im Kaffeemarkt ist, dass immer mehr Menschen zu ganzen Kaffeebohnen greifen. Im Jahr 2022 kauften erstmals gleich viel Verbraucher ihren Kaffee als ganze Bohne und in gemahlener Form. Für 2023 prognostiziert der Kaffeeverband, dass erstmals mehr ganze Bohnen verkauft werden als klassischer, gemahlener Röstkaffee. In jedem dritten Haushalt steht demnach ein Kaffeevollautomat, der den Kaffee mahlt und auf Knopfdruck das Getränk herstellt. Kaffeepads haben einen Marktanteil von sechs Prozent, Kaffeekapseln liegen bei rund fünf Prozent. Den jährlichen Pro-Kopf-Konsum von Kaffee von Röstkaffee gibt der Verband mit 167 Litern an.

Mehr dazu erfahren Sie hier.

Bildnachweise: Bild 1: Adobe Stock: Nomad_Soul; Bild 2, 4: © REMONDIS; Bild 3: Adobe Stock: julien; Bild 5: Adobe Stock: evannovostro

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