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27. Januar 2017

Kann zirkuläre Wertschöpfung an Grenzen stoßen?

REMONDIS als Best-Practice-Beispiel für Analysen in NRW und im Emscher-Lippe-Kreis hinzugezogen

Kritische Rohstoffversorgung

Für Industrienationen mit breiter Produktionsbasis und hohem Exportanteil ist die Rohstoffverfügbarkeit eine wichtige Voraussetzung zur Sicherung der Arbeitsplätze und des Wohlstands. Die langfristig sichere Versorgung mit Rohstoffen ist jedoch keine Selbstverständlichkeit. Auch Deutschland ist dazu gezwungen, neue, innovative Wege zur Beschaffung von Ressourcen zu finden. Ein Lösungsansatz ist die zirkuläre Wertschöpfung – die Entkopplung des wirtschaftlichen Wachstums vom Verbrauch natürlicher Ressourcen. Rohstoffe, die bereits der Natur entnommen wurden, müssen fortan im Kreis geführt und immer wieder genutzt werden.

Studie zur Potenzialermittlung

Sowohl das Landeswirtschaftsministerium NRW als auch die Emscher-Lippe-Region haben deshalb eine Studie veranlasst, um das Potenzial einer zirkulären Wertschöpfung, also eines ständigen und vollständigen Recyclings aller vorhandenen Rohstoffe an ihrem Wirtschaftsstandort, zu ermitteln und mit der traditionellen linearen Wertschöpfung (take – make – waste) zu brechen. Denn mit der Zunahme globaler Probleme wie des Klimawandels, der zur Neige gehenden Ressourcen und der Zerstörung ganzer Ökosysteme wächst auch das Bewusstsein für die Notwendigkeit, den Klima- und Umweltschutz sowie die Ressourcenschonung mit der Produktion und dem Konsumverhalten in Einklang zu bringen.

Identifikation von Chancen und Risiken

Neben einem umfangreichen Desk Research wurden zahlreiche Experteninterviews mit diversen Unternehmen geführt, um die bereits vorhandenen Möglichkeiten in der Unternehmensstruktur sowie die Chancen, aber auch die Grenzen und Risiken zu identifizieren.

Zirkuläre Wertschöpfung ist auch eine Chance, in diversen Berufsfeldern zahlreiche neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Eines der Unternehmen, das für beide Studien als Best-Practice-Beispiel ausgewählt wurde, war REMONDIS. Das Prinzip der zirkulären Wertschöpfung ist der Kerngedanke der Unternehmensphilosophie. Den Leitsatz „Verwertung geht vor Beseitigung“ formulierte Firmengründer Norbert Rethmann bereits im Jahr 1978 in den Unternehmensrichtlinien. Seither ist es das Ziel der gesamten Unternehmensgruppe, die Stoffkreisläufe immer weiter zu schließen. Die Aktivitäten des Familienunternehmens dienen also seit der Gründung in Gänze der Realisierung der zirkulären Wertschöpfung.

unterschiedlicher Wertstoffe werden durch die Unternehmensaktivitäten jährlich im Kreislauf gehalten

Ohne Innovationen geht es nicht

Ihr Beitrag zur Sicherung natürlicher Rohstoffe ist messbar: 30 Millionen Tonnen unterschiedlicher Wertstoffe werden durch die Unternehmensaktivitäten jährlich im Kreislauf gehalten. Dies gelingt nicht zuletzt durch neue Recyclingwege, die in modernsten Recyclingbetrieben nach dem Prinzip der zirkulären Wertschöpfung eigens entwickelt werden. Die Studien zeigen, dass Innovationen die größten Chancen für die Entwicklung der zirkulären Wertschöpfung mit sich bringen. Denn nur durch die Entwicklung und Realisierung von innovativen Recyclingverfahren können zukünftig mehr Stoffe im Kreislauf geführt werden.

Verantwortung liegt auch beim Produktdesign

Zum anderen bestätigen die Studien auch die Grenzen, an die die zirkuläre Wertschöpfung heute noch stößt. Denn Recyclingrohstoffe müssen den Dreiklang von Umweltschutz, Wettbewerbsfähigkeit und Effizienz vereinbaren können. Sie müssen sich also am Markt und beim Endverbraucher durchsetzen können. Ihre Qualität und Eigenschaften dürfen den Primärrohstoffen in nichts nachstehen. Umso herausfordernder ist es für ein Recyclingunternehmen wie REMONDIS, diese Eigenschaften in den eigens entwickelten Produkten zu realisieren. Vor diesem Hintergrund fordert REMONDIS, dass bereits der Hersteller beim Konzipieren seiner Produkte in die Pflicht genommen wird, um das Produktdesign auf späteres Recycling zu optimieren. Denn die Umsetzung der zirkulären Wertschöpfung scheitert oftmals daran, dass das heutige Produktdesign die einzelnen Rohstoffe in vielen winzigen Elementen und Verbundstoffen „verschwinden“ lässt. „Man muss kein Recyclingexperte sein, um sich vorstellen zu können, dass das fraktionsfreie Zurückgewinnen dieser Stoffe nahezu unmöglich ist“, sagt Herwart Wilms, Geschäftsführer von REMONDIS. Das Unternehmen setzt alles daran, eng mit der Industrie zu kooperieren und Abfallmanagement mit dazugehörenden Beratertätigkeiten schon in der Produktentwicklung zu betreiben. Allerdings verdeutlicht diese Situation zugleich die Notwendigkeit einer ambitionierten Gesetzgebung für die Rückgewinnung von Wertstoffen. Klare Vorgaben seitens der Politik wären die Chance, die Rohstoffsicherungs- und Klimapotenziale in Deutschland vollumfänglich auszuschöpfen. Ein Hindernis, das sich auch anhand der Studie herausstellte.

Mit Umwelterziehung zu mehr Abfalltrennung

Ebenso bedeutend für eine zirkuläre Wertschöpfung und unabhängig von jeder Gesetzgebung ist die Sensibilisierung für konsequentes Abfalltrennen. Jedes Unternehmen, jede Bürgerin und jeder Bürger können dadurch ab sofort zur Erhöhung der Verwertungsmengen beitragen.

Fast 8 Millionen Tonnen Wertstoffe könnten wir durch konsequente Trennung in Deutschland zusätzlich aus Siedlungsabfällen gewinnen. Dadurch würden allein 1,6 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente p. a. eingespart. In Anbetracht dieser Situation hat REMONDIS das Lerntheater und Unterrichtsmaterial der WERTSTOFFPROFIS entwickelt. Ziel ist es, schon frühzeitig auf unterhaltsame Weise wichtige Aufklärungsarbeit im Hinblick auf die Themen Wertstoffsammlung, Abfalltrennung und Rohstoffknappheit zu leisten.

Rahmenbedingungen müssen stimmen

Das wohl größte Potenzial der Entwicklung zur zirkulären Wertschöpfung ist allerdings neben der Innovationskraft und dem Wirtschaftswachstum das Beschäftigungswachstum an Industrie- und Wirtschaftsstandorten, wie die Ergebnisse der Studien bestätigen. Die nachhaltige Rohstoffversorgung ist eine globale Herausforderung, der sich Menschen weltweit stellen müssen. Auch die weltweit 32.000 Mitarbeiter der REMONDIS-Gruppe gehen in diversen Berufen gemeinsam dem Ziel nach, die Umwelt zu entlasten und im Sinne nachhaltiger, zirkulärer Wertschöpfung zu handeln. REMONDIS ist einer der größten Arbeitgeber in Deutschland und erweitert den Mitarbeiterkreis stetig.

Das größte Potenzial der zirkulären Wertschöpfung sind die Innovationskraft und das Wirtschaftswachstum an Industrie- und Wirtschaftsstandorten.

Abschließend zeigen die Potenzialanalysen, dass eine zirkuläre Wertschöpfung an den beiden Wirtschaftsstandorten durchaus umgesetzt werden kann – unter folgenden drei Voraussetzungen: Als Erstes müssen die Rahmenbedingungen bei Unternehmen und Konsumenten geschaffen werden, zum Beispiel durch mehr Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit. Gleichzeitig müssen technische Innovationen für mehr Recycling erarbeitet werden und die öffentliche Verwaltung muss drittens auf Basis einer modernen Umweltgesetzgebung eine klare Führungsposition und Leitbildfunktion einnehmen. Nur dadurch ist sie auch in der Lage, die zirkuläre Wertschöpfung zu fördern und aktiv zu unterstützen.

Bildnachweise: Bild 1: plainpicture, p30110141f, Urheber: Lena Clara

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