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BRAND STORY

1. Juli 2022

Hi, ich bin Julia

Seit 2016 führt Julia Hadrossek die REMONDIS-Niederlassung Coesfeld. Dazu ist sie Geschäftsführerin einer lokalen Mehrheitsbeteiligung und seit 2020 auch von REMONDIS Münsterland. Ein Porträt über Julia, die ihr Team mit Transparenz, Respekt und Vertrauen führt – und damit erfolgreich ist.

Seit ihrem ersten Tag als Niederlassungsleiterin steht sie mit dem kompletten Team auf Du und Du. „Hi, ich bin Julia“, hatte sie damals ihre Vorstellung bei der Betriebsversammlung begonnen. Zur Irritation des einen oder anderen altgedienten Vorgesetzten. Und wer weiß: Hätten die gewusst, wie sie sich vorstellen würde – vielleicht hätten sie die junge Frau vorher beiseitegenommen und ihr zu mehr Distanz geraten.

Konnten sie aber nicht, zum Glück. Denn ganz offensichtlich traf die damals 29-Jährige gleich den richtigen Ton. Klar, bestimmt, sympathisch und wie immer mit einem Lächeln. Das kam an. So war es Julia auch drei Jahre vorher gegangen. Im Dezember 2012 hatte sie gerade ihre Masterarbeit an der Universität Hamburg abgegeben, feierte Weihnachten zuhause in Dortmund – und wollte nach fünf Jahren BWL-Studium in Düsseldorf und Hamburg und zwei längeren Praktika bei Kühne und Nagel und bei RWE Power erst einmal kurz durchschnaufen.

Es kam anders. Julia Zierow, wie sie damals noch hieß, hatte nicht mit der Geschwindigkeit ihres künftigen Arbeitgebers gerechnet: „Anfang Februar 2013 ging meine Blindbewerbung bei REMONDIS ein, am 19. hatte ich mein Gespräch und am 1. März habe ich angefangen.“ Sie hat die Daten noch heute genau im Kopf. Gut strukturierte Prozesse mit einem positiven Ergebnis sind genau ihr Ding.

Auch wenn sie ganz kurz nachdenklich wird: „Rückblickend muss ich sagen, da hätte man nach dem Master auch mal zwei oder drei Monate … – aber eine Woche Skiurlaub war immerhin dazwischen. Und dann ging es schon los“, lacht die heute 35-Jährige. Sie ist sichtbar im Einklang mit ihrem bisherigen Werdegang.

Los ging es als Trainee bei REMONDIS West in Bochum. Für die gebürtige und bis heute überzeugte Dortmunderin war das ein Jobstart mit kurzen Wegen: „Ich hatte ziemlich viel Glück, als ich zu REMONDIS kam. Mein damaliger Chef, Jürgen Mauthe, der mich auch eingestellt hat, hat mich von vornherein in jede Niederlassungsleiterrunde mitgenommen. Deshalb hatte ich auch schon als Trainee im ersten Jahr ziemlich tiefe
Einblicke und Kontakte zu den Entscheidern im Unternehmen.“

Westfalen

Nach dem Trainee-Jahr mit Stationen auch bei Schwestergesellschaften von REMONDIS folgten eineinhalb Jahre in der strategischen Logistik, dem zentralen Thema ihres Studiums und ihrer Masterarbeit. Ihre Bereitschaft, früh Verantwortung zu übernehmen, hat sich in dieser Zeit ausgeprägt.

Das passte gut zu den Vorstellungen von Jürgen Mauthe, den Julia als Mentor schätzt – und mit dem sie die fußballerische Leidenschaft für den BVB teilt. „Der hatte super viel Vertrauen zu mir. Er hat sich gesagt, sie kriegt das hin. Und das hat mich dann echt bestärkt“, blickt sie heute zurück. So bewarb sie sich auf die vakante Stelle für eine Niederlassungsleitung, war sogar Wunschkandidatin des Stelleninhabers und übernahm die Verantwortung.

Seit 2016 führt Julia Hadrossek, so heißt sie seit ihrer Hochzeit 2021, die REMONDIS-Niederlassung Coesfeld (für die Nicht-Nordrhein-Westfalen: das spricht sich ˈkoːsfɛlt, mit einem westfälischen Dehnungs-e – nicht „Zöhsfeld“, wie „Menschen von weiter wech“ schon einmal falsch sagen).

Dazu ist Julia Geschäftsführerin einer lokalen Mehrheitsbeteiligung und, zusammen mit einem Kollegen, seit 2020 auch von REMONDIS Münsterland. Alles zusammengenommen trägt die Mittdreißigerin Verantwortung für rund 230 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an fünf Standorten.

Qualifikation

In dieser herausgehobenen Funktion ist sie aktuell noch eine der wenigen Frauen in der REMONDIS-Gruppe. „Aber es kommt in Bewegung“, betont sie. Eine der Ersten zu sein, gefällt ihr. Julia Hadrossek geht unglaublich gern voran, will Vorhandenes verbessern.

Auf die Frage, ob noch immer das Klischee zutreffe, die Entsorgungswirtschaft sei eine Männerwelt, antwortet sie sofort: „Voll!“ Sie scheint das als Herausforderung zu betrachten und fragt sich immer wieder: „Wie ist unser Auftritt, unsere Außendarstellung? Wie sind wir für Frauen wahrnehmbar?“

Ein wenig bedauert sie, dass sich nicht mehr Frauen auf offene Stellen im gesamten Unternehmen bewerben. Allerdings war und ist ihre Haltung zur Auswahl neuer Kolleginnen und Kollegen klar: „Ich bin nach wie vor ein großer Fan davon, dass nach Qualifikation gegangen wird. Wir sollten nicht nach Quoten einstellen.“

Sie setzt darauf, dass sich die Situation weiter Schritt für Schritt verändert, und ist sehr optimistisch: „Beim Start vor sechs Jahren hatte ich ein superjunges Team. Die haben mich sehr schnell als gleichaltrige Chefin akzeptiert. Meine Erfahrung aus dieser Zeit ist: Heterogene Teams mit verschiedenen Kulturen und Geschlechtern funktionieren am besten.“

Warum? „Manchmal ist einfach die Herangehensweise von Frauen eine etwas andere: die Problemlösungskompetenz, die analytische Denke und vielleicht manchmal auch die etwas größere empathische Ausstattung.“

Respekt

Die größten „Manschetten“, wie sie sagt und damit ihre Herkunft aus dem Ruhrpott nicht verleugnet, hatte sie 2016 vor ihrem ersten Auftritt in Coesfeld vor dem Betriebsrat. Wie in vielen anderen Situationen auch hat sie sich damals beraten und mit Dialog und Transparenz Vertrauen aufgebaut. Später ist sie über Jahre regelmäßig auf den Lkw mitgefahren, um das Coesfelder Team noch besser kennenzulernen und auch die Abläufe noch eingehender studieren zu können.

Arbeitsverständnis, Einstellung, Sicherheitsbewusstsein und Stimmung bei den Mitarbeitenden geben ihr bis heute recht – und auch die Zahlen sprechen für ihren Ansatz. Die Niederlassung weist mit nur einem kleinen Ausreißer eine für die Branche sehr niedrige Krankenquote von unter fünf Prozent aus, auch während der Corona-Phase.

„Ich habe hier eine super Mannschaft im Rücken, die zieht mit mir an einem Strang“, strahlt Julia Hadrossek. Die Formulierung trifft es dabei auf den Punkt: „Ist doch klar, dass ich gerne auch an vorderster Front bin, wenn es darum geht, neue Dinge auszuprobieren oder in Segmente reinzuschnuppern, in denen wir noch nicht tätig sind, oder auch Neuerungen einzuführen.“

Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erleben sie als „pushy“, wie einer sagt. Wer da mithalten will, sollte Ausdauer haben. Denn Julia Hadrossek hat nicht nur Tempo bei der Arbeit, sie ist auch schlagfertig – beim Gespräch ebenso wie beim Tennis. Hier wie dort verliert sie allerdings nie die Aufmerksamkeit für ihr Gegenüber:

„Ich bin erst einmal offen und versuche, auf Augenhöhe zu kommunizieren. Vom Baggerfahrer bis zum Landrat haben natürlich alle meine Wertschätzung verdient.“ Das galt für sie auch damals schon, als sie vor der Betriebsversammlung stand und sich vorstellen sollte. Instinktiv wusste sie: „Respekt hat nichts mit Du und Sie zu tun.“

„Vom Baggerfahrer bis zum Landrat haben natürlich alle meine Wertschätzung verdient.“

Führung

2016 wurde Julia Hadrossek, gerade einmal 30 Jahre alt, in die sogenannte Führungstour berufen. Regionalgeschäftsführer und andere aus der Spitze der Unternehmensgruppe benennen Führungskräfte aus der zweiten Hierarchieebene für diesen Kreis.

Fortbildungen und Seminare zur Rolle von Führungskräften, zur persönlichen Weiterentwicklung, zu politischem und kommunalem Beziehungsmanagement und natürlich das Netzwerken untereinander stehen im Zentrum. Als noch immer junge Führungskraft weiß die Niederlassungsleiterin: „Niemand ist perfekt als Führungskraft. Deshalb sind Fortbildungen so wichtig. Ich spiele ja Tennis, und ich würde sogar behaupten, dass ich gar nicht so schlecht spiele. Ich habe trotzdem Training.“

Das Gelernte gibt sie gern weiter. So, wie sie von einem Mentor beim Start im Unternehmen profitiert hat, versucht sie jetzt, junge Kolleginnen und Kollegen bei ihren nächsten Schritten zu unterstützen. Zum Beispiel bei deren berufsbegleitenden Studien und den Masterarbeiten.

Julia führt ihr Team aus Überzeugung mit Transparenz und Vertrauen. „Die Barriere zu meinem engsten Team aus dem Kaufmännischen und aus der Disposition ist sehr, sehr niedrig. Wir führen hier einen Dialog auf Augenhöhe, ohne dass die Rollenverteilung verwischt.“ Ihr ist es „super wichtig“, dass sich die Mitarbeitenden trauen, Fragen zu stellen, dass sie ihr vertrauen.

Was nicht heißt, dass sie nicht auch autoritär sein und auf den Tisch hauen könnte. Auch das hat es in der Coesfelder Niederlassung schon gegeben – allerdings sehr selten. Viel wichtiger ist es ihr, Projekte mit dem Team zum Erfolg zu führen.

Auch in manchen Runden mit Externen muss die REMONDIS-Frau schon einmal deutlich werden und die Interessenlagen des Unternehmens entsprechend vertreten. Dann bleibt die Julia, die sich einige Jahre zuvor mutig vor die Betriebsversammlung gestellt hatte, freundlich und klar: „An der einen oder anderen Stelle ist es dann doch schon mal so, dass man den Ellenbogen rausrücken muss.“

Erfolg

Der modernen Geschäftsführerin sind Ergebnisse wichtig, nicht Machtspielchen oder Selbstdarstellungsrunden. „Mich langweilen Termine, bei denen es keine Ergebnisse gibt, man dreht etliche Schleifen und es gibt dann doch nichts Greifbares. Sowas ermüdet mich. Die Mitarbeiter erleben mich auch so“, erklärt Julia Hadrossek ganz offen.

Die Niederlassung Coesfeld, die Beteiligung Theißen und auch REMONDIS Münsterland werden jeweils als Profitcenter geführt. So ist klar: Hier müssen auch die Zahlen passen. Das kommt der Chefin durchaus entgegen. „Wenn man gut ist in dem, was man macht, und die Zahlen einem recht geben, dann spornt einen das tatsächlich auch an. Das hört sich vielleicht plakativ an – aber ich würde lügen, wenn es nicht so wäre“, gibt die 35-Jährige unumwunden zu.

Die Zahlen geben ihr recht. Das spiegeln ihr auch die Geschäftsführungen der übergeordneten REMONDIS West und der Muttergesellschaft in Lünen. Die Münsterländer sind seit Jahren auf einem guten, erfolgreichen Weg.

Dazu tragen auch Projekte bei, die Julia und ihrem Team über das Tagesgeschäft hinaus ganz viel abverlangen. So wie Ende 2020, als REMONDIS die Ausschreibung für das Sammeln von Leichtverpackungen aus den Gelben Säcken und Tonnen im benachbarten Kreis Steinfurt erneut gewonnen hatte. Jetzt sollte der Auftrag aber nicht mehr von Subunternehmen ausgeführt, sondern selbst umgesetzt werden. Binnen weniger Monate galt es, 20 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden und einzuarbeiten und einen komplett neuen Standort in Ibbenbüren aufzubauen.

Zusammen mit dem ehemaligen Assistenten der Geschäftsführung und heutigen Prokuristen von REMNODIS Münsterland stemmte sie das Projekt von der Spitze weg. Alles inklusive der abfallrechtlichen Genehmigungen, die – das wissen Experten aus dem Genehmigungsmanagement – nicht einfach bei der Stadt und der Bezirksregierung abzuholen sind. „Das hat alles ganz gut geklappt“, freut sie sich bescheiden.

Bei dieser Aufgabe kam Julia eines ihrer heutigen Steckenpferde zugute, das für sie früher ein „echt unsicheres Terrain“ war: die Korrespondenz mit Behörden. „Mich ins Bundesimmissionsschutzgesetz und die ganzen Verordnungen einzuarbeiten, hat mir einen Riesenspaß gemacht. Wer weiß, vielleicht würde ich heute Jura studieren“, lächelt sie.

Rechtlich anspruchsvoll war auch die vollständige Integration der Beteiligungsgesellschaft Kreye in die Theißen Entsorgung, bei der Julia Hadrossek eine von zwei Geschäftsführerinnen ist. Der Containerdienst wurde in die Beteiligung Theißen, an der REMONDIS Region West 74,5 Prozent hält, per Share Deal in die Gruppe gebracht. Hier kümmert sie sich um strategische Themen, ist einmal in der Woche vor Ort in Rhede.

„Erfolg motiviert am Ende des Tages natürlich auch. Wenn wir Ziele erreichen oder sogar übertreffen, dann gibt das auch Rückenwind.“

Zahlen

Normalerweise startet sie aber gegen sieben Uhr in Dortmund und macht sich auf ins 85 Kilometer entfernte Coesfeld, ist um acht Uhr vor Ort. Dann Mails checken, kurze Abstimmung mit der Dispo über den aktuellen Personalstand und vor der Standortbegehung noch schnell zurück an den Rechner.

„Für mich ist das eine gesunde Mischung zwischen operativem und strategischem Arbeiten.“ Jeden zweiten oder dritten Tag kommt ein Blick auf die Umsätze dazu, denn, so betont sie: „Wir sind ja in der Gruppe durchaus sehr Zahlen-Daten-Fakten-geprägt.“

Bei REMONDIS wird tagesscharf abgerechnet, deshalb zieht sich die Standortleiterin täglich eine Statistik vom Vortag, schaut auf die In- und Outputströme.

„Das mache ich inzwischen allerdings als reine Kontrollinstanz, weil ich im Zuge der vielen neuen Projekte Aufgaben und Verantwortung an meinen Stellvertreter abgegeben habe. So kann ich mich mehr um strategische Themen kümmern: Zusammenarbeit mit den Kommunen, mit dem Landkreis, Herausforderungen rund um die Energieversorgung und alternative Antriebe.“

Motivation

Solche Projekte sind es, die Julia besonders viel Spaß machen. Über den Tellerrand zu schauen, die internen und externen Netzwerke einzusetzen, Innovationen voranzutreiben. „Und der Erfolg motiviert am Ende des Tages natürlich auch. Wenn wir Ziele erreichen oder sogar übertreffen, dann gibt das auch Rückenwind.“

Den verschafft ihr auch der wohl zweitwichtigste Treibstoff in der Branche: „Mein Kaffeekonsum war vor REMONDIS nicht so hoch. Früher habe ich noch Milch dazugegeben, inzwischen trinke ich super gerne schwarzen Filterkaffee. Das machen hier in der Niederlassung sowieso 95 Prozent der Kollegen. Man wird genügsam in diesem Unternehmen“, lacht sie auf und kneift ein Auge zusammen. Dass sie das nicht ganz so ernst meint und vielmehr schon an die nächsten innovativen Projekte denkt, ist ihrem Team und auch ihren Vorgesetzten völlig klar. Schon in den Anfängen ihrer Karriere bei REMONDIS hatte ein Mitarbeiter sie ganz offen angesprochen: „Wir wissen schon, dass du die Statistiken gern von oben anführst.“ Das ist ihr zwar in dieser Deutlichkeit ein klein wenig peinlich. Aber es stimmt schlichtweg, es ist ihr Anspruch an sich selbst – und es zeigt zugleich ihren durchgehend offenen Umgang mit dem Team.

In Kürze steht die nächste Betriebsversammlung an. „Hi, ich bin Julia“ muss ihre Rede dann nicht mehr als ersten Satz beinhalten. Alle Kolleginnen und Kollegen im Münsterland kennen sie. Und vermutlich werden noch viele mehr sie in den nächsten Jahren kennen- und sehr wahrscheinlich schätzen lernen.

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