Dänemark nimmt in vielen Bereichen – von der Wirtschaftsleistung pro Kopf bis zur Lebensqualität – weltweit Spitzenplätze ein. Das gilt auch für die Umwelt-, Energie- und Klimapolitik. So erreichte das Land beim Environmental Performance Index des Weltwirtschaftsforums zeitweise den ersten Platz und lag 2024 immer noch auf Rang zehn. Auch bei der Erzeugung von erneuerbarem Strom liegt das Land 2024 mit über 80 Prozent ganz vorne. Dänische Haushalte sammeln in bis zu fünf Behältern zehn Stoffgruppen. Das lässt erst einmal auch beim Recycling eine Erfolgsgeschichte vermuten. Doch das ist nicht der Fall.
Denn das Land liegt bei den Recyclingquoten im europäischen Vergleich bei vielen Stoffgruppen bisher eher im Mittelfeld. Bei Siedlungsabfällen wird der EU-Zielwert mit rund 55 Prozent exakt erreicht. Bei Verpackungen und insbesondere beim Bioabfall gibt es noch Luft nach oben. Bei einzelnen Fraktionen wie etwa Batterien ging die Erfassungsqualität jüngst sogar zurück. Die Restmüllquote ist unverändert hoch. Die in vielen Fällen erst in den letzten Jahren eingeführten separaten Stoffströme, die die Bürgerinnen und Bürger des Königreichs nun bedienen, stehen aber für ein ehrgeiziges Projekt: nämlich auch bei der Kreislaufwirtschaft Maßstäbe zu setzen. Und privaten Unternehmen wie REMONDIS Danmark kommt dabei eine Schlüsselrolle zu.
Dänemarks spezielle Herausforderung auf dem Weg zu mehr Recycling besteht in einer unbestrittenen Erfolgsgeschichte, nämlich der Müllverbrennung. Das Land gilt als einer der Pioniere beim Einsatz dieser Technik.
Pionier bei der Müllverbrennung
Dänemarks spezielle Herausforderung auf dem Weg zu mehr Recycling besteht in einer unbestrittenen Erfolgsgeschichte, nämlich der Müllverbrennung. Das Land gilt als einer der Pioniere beim Einsatz dieser Technik. Die erste Anlage wurde bereits im Jahr 1903 in Kopenhagen errichtet. Sie war eine der frühesten ihrer Art in Europa und diente der thermischen Verwertung von Hausmüll, um Energie zu gewinnen und die Abfallmenge zu reduzieren. An diesem Nutzungskonzept hat man seitdem festgehalten und in immer mehr und modernere Anlagen investiert. Mülldeponien und ihre Probleme für die Umwelt hat das Land so weitgehend vermeiden können. Aktuell werden 21 Anlagen betrieben, alle in der Hand von Kommunalverbänden, der staatlichen Mittelebene. Darüber hinaus nutzt ein großes Zementwerk aus Abfällen gewonnenen Ersatzbrennstoff.
Insbesondere für die Fernwärmeversorgung liefern die Müllverbrennungsanlagen Kapazitäten, die nicht so ohne Weiteres zu ersetzen sind. Die Stromproduktion ist angesichts des Booms bei den erneuerbaren Energien eher verzichtbar, wenn auch Teil der ökonomischen Logik des Betriebs. Trotzdem hat das dänische Parlament 2020 beschlossen, die Verbrennungskapazitäten bis 2030 um 30 Prozent zu reduzieren. Gleichzeitig wurde der Markt liberalisiert: Die Kommunen können ihren Haushaltsabfall nicht mehr einfach in die eigene Verbrennung bringen, sondern müssen die Mengen ausschreiben. In der ersten Ausschreibungsrunde ist das meiste an die „eigene“ Verbrennungsanlage gegangen. Es ist jedoch fraglich, ob dies auch bei künftigen Ausschreibungen so bleiben wird, sofern der Wettbewerb um den Abfall weiter zunimmt.
Die erste Müllverbrennungsanlage wurde bereits im Jahr 1903 in Kopenhagen errichtet. Sie war eine der frühesten ihrer Art in Europa und diente der thermischen Verwertung von Hausmüll, um Energie zu gewinnen und die Abfallmenge zu reduzieren.
Da die Betreiber um die Wirtschaftlichkeit ihrer Anlagen fürchten und die politisch gewünschte Anlagenschließung mit noch nicht zurückgezahlten Investitionsfinanzierungen im Widerstreit liegen, holen sich die Anlagenbetreiber zunehmend „Futter“ aus dem Ausland. Das Land hat sich so in den vergangenen Jahren zu einem bedeutenden Müllimporteur hochkalorischer, gut brennbarer Reststoffe entwickelt. Mülltourismus verbessert zwar die Auslastung der Anlagen und vermeidet gegebenenfalls auch Deponierung in anderen EU-Ländern. Mit Blick auf die Klimastrategie und Klimaziele ist er aus nationaler dänischer Sicht aber kontraproduktiv, steigt doch der CO2-Ausstoß der dänischen Anlagen.
Kern des Problems ist, dass zwar der politische Wille besteht, die Verbrennungskapazitäten abzubauen, aber die Entscheidung, welche Anlagen schließen, dem Markt überlassen worden ist. Theoretisch wäre zu erwarten, dass die mit der niedrigsten Wirtschaftlichkeit aufgeben. Doch aufgrund steigender Abfallimporte haben bisher nur zwei kleinere Anlagen ihre Öfen tatsächlich stillgelegt. Die Entwicklung verläuft also bisher nicht wie erwartet. Deshalb sprechen Beobachter von einem Abfalldilemma, mit dem das Land konfrontiert ist.
REMONDIS Danmark
Die REMONDIS A/S gehört zu den führenden Unternehmen der Recyclingwirtschaft in Dänemark. Mit rund 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, neun Standorten und einem Jahresumsatz von rund 350 Millionen Dänischen Kronen zählt REMONDIS landesweit zu den Top-Ten-Playern der Recyclingwirtschaft, im Großraum Kopenhagen sogar zu den drei wichtigsten Akteuren. Als Partner der Kommunen erbringt REMONDIS Dienstleistungen für mehr als 500.000 Däninnen und Dänen im Rahmen der haushaltsnahen Erfassung. Ein stetig wachsender Anteil des Geschäfts macht die gewerbliche Abfallsammlung aus, bei der jährlich etwa 50.000 Tonnen Wertstoffe unterschiedlichster Art erfasst werden. REMONDIS hat seit der Übernahme der Vorgängergesellschaft 2018 insbesondere das gewerbliche Geschäft und die Recyclingaktivitäten ausgebaut.
Die Rolle der privaten Recyclingwirtschaft
Eigentlich ist die Aufgabenteilung in der dänischen Kreislaufwirtschaft klar. Die Sammlung liegt in der Hand der Kommunen. Diese können allerdings die Erfassung im Rahmen von Ausschreibungen vergeben und tun das in der Regel auch. In den vergangenen Jahren haben private Dienstleister nicht mehr so häufig den Zuschlag erhalten wie noch vor einem Jahrzehnt. Aktuell werden rund drei Viertel des Volumens von ihnen bewegt. Jedoch gibt es mit Blick auf die unsichere Zukunft der Müllverbrennungsanlagen und der damit verbundenen Unternehmen sowie Arbeitsplätze in jüngster Zeit in den dänischen Kommunen wieder verstärkt Interesse an der Sammlung in Eigenregie. Dadurch können sie mehr Material für ihre Anlagen sichern und verlorene Recyclingaktivitäten kompensieren, die jetzt ausschließlich privaten Recyclingunternehmen vorbehalten sind.
Die Erfassung der Reststoffe erfolgt fast durchgängig haushaltsnah. In der Regel gibt es pro Haushalt zwei bis drei getrennte Abfallbehälter für Restmüll, Bioabfall, Papier, Karton, Metall, Glas und gemischte Kunststoffe sowie zwei zusätzliche Sonderbehälter für Gartenabfälle und Sondermüll. Textilien werden in Plastiksäcken am Straßenrand gesammelt. Die Kommunen bieten außerdem Recyclinghöfe für Privatpersonen an, in denen Stoffe wie Altgeräte, Bauschutt oder Sondermüll abgegeben werden können.
Die Finanzierung der Sammlung erfolgt über Gebühren. Im Bereich der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) müssen die Inverkehrbringer für die Stoffströme zahlen. Seit Oktober 2025 gilt in Dänemark die EPR für Verpackungen. Das bedeutet, dass Unternehmen Haushalte und andere Unternehmen für die Kosten der Sammlung und Behandlung von Verpackungsabfällen entschädigen müssen. Die Entschädigung der Haushalte erfolgt durch die Kommunen. Private Recyclingunternehmen wie REMONDIS übernehmen die Abwicklung auf der Seite der Inverkehrbringer. Da die Erfassung einzelner Materialströme auch in anderen Bereichen wie Tabakprodukten mit Filtern und Fischereigeräten noch relativ neu ist, besteht hinsichtlich der tatsächlichen Kosten dieser Erfassungssysteme noch Unsicherheit. Dies betrifft sowohl den Beitrag, den die Systeme bei der Sammlung leisten müssen, als auch die Einnahmen, die durch das Recycling der Materialien erzielt werden können.
Das eigentliche Recycling obliegt ausschließlich der privaten Abfallwirtschaftsbranche. Sie verarbeitet sowohl Materialströme aus der kommunalen Abfallsammlung als auch im Rahmen der EPR getrennt gesammelte Abfälle. Hier gilt es in der Praxis nun, mehrere Hürden zu nehmen. Erstens ist nicht immer klar, was noch Erfassung und was schon Recycling ist. Das wird zum Beispiel bei der Volumenreduzierung von Verpackungen durch Ballenpressen deutlich.
Es führt bei Erfassung und Transport zu weniger Fahrten und geringerer Lkw-Maut, was gut ist für den Betreiber der Sammlung. Für die Weiterverarbeitung und Feinsortierung ist die erhöhte Verdichtung aber eine manchmal unlösbare Herausforderung. Zweitens muss die Komplexität der Stoffströme auf der Datenseite sauber erfasst werden, einerseits um eindeutig nachzuvollziehen, wohin die Mengen fließen, andererseits um Kosten und Materialien sauber zuordnen zu können.
Dänemarks Weg Richtung Kreislaufwirtschaft und mehr Nachhaltigkeit ist ein Paradebeispiel dafür, wie vergangene Erfolge den Fortschritt anfänglich behindern können. Wichtige Weichenstellungen sind inzwischen erfolgt. Es bleibt abzuwarten, ob sie die gewünschten Ergebnisse bringen. Zwar lassen sich Veränderungen in einem kleinen Land schneller umsetzen, doch müssen sich neue Ansätze erst bewähren, bevor Anpassungen vorgenommen werden können. Ohne Geduld geht es also nicht. Dennoch zweifelt niemand daran, dass Dänemark im Bereich Abfallwirtschaft und Recycling das erreichen wird, was es in vielen anderen Bereichen bereits ist: eine der weltweit führenden Nationen.
Das eigentliche Recycling obliegt ausschließlich der privaten Abfallwirtschaftsbranche. Sie verarbeitet sowohl Materialströme aus der kommunalen Abfallsammlung als auch im Rahmen der EPR getrennt gesammelte Abfälle.
Vier Fragen an Søren Eriksen,
Managing Director REMONDIS A/S
Müssen zehn verschiedene Stoffgruppen in den Haushalten separat gesammelt werden?
Für das Recycling hilft uns diese feine Vorsortierung nur eingeschränkt. Sie ist übermäßig kompliziert geworden und führt zu mehr Fehlwürfen. Nachsortieren müssen wir sowieso. Insofern sollte dies im Rahmen der für 2027 geplanten Evaluierung noch einmal überdacht werden, um den Sammelaufwand zu reduzieren und auch die Akzeptanz bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern weiter zu stärken. Ich denke, dass wir am Ende in den Haushalten weniger kleinteilig sammeln werden.
Was halten Sie von der aktuellen Abgrenzung zwischen Sammlung und Recycling?
Die Grenze ist nicht klar, es gibt immer noch eine Grauzone. Das betrifft auch die Trennung zwischen öffentlichem und privatem Sektor. Ein Beispiel dafür ist die Transportoptimierung, beispielsweise durch Ballenpressen. Einige Kommunen machen dies, ebenso private Entsorgungsunternehmen. Ich denke, dass es am besten ist, dies den privaten Unternehmen zu überlassen. Wir wissen am besten, wie ein effektives Recycling der Materialien gewährleistet werden kann.
Wie beurteilen Sie die jüngsten Weichenstellungen Richtung Kreislaufwirtschaft?
Dänemark ist ein kleines Land, deswegen sehen viele Dinge auf dem Papier erst einmal einfacher aus und sollten schneller gehen als woanders. Wir sind bei der Verwertung aber in hohem Maß von Preisen und Kapazitäten in anderen Ländern abhängig, weil unser nationaler Markt klein ist. Als REMONDIS können wir auf Schwestergesellschaften zugreifen, das ist sicherlich ein Vorteil für uns im Wettbewerb.
Was planen Sie als Nächstes?
Ein Fokus ist die Elektromobilität in unserem Fahrzeugpark. Da Kommunen bei den Ausschreibungen zunehmend entsprechende Anforderungen stellen und der Zugang für Fahrzeuge mit konventionellem Antrieb lokal beschränkt ist, liegt in ihrem Ausbau ein weiterer Wettbewerbsvorteil. Die Entwicklung der Batterietechnik eröffnet außerdem die Option, elektrische Lkw nicht nur lokal einzusetzen, sondern auch auf längeren Distanzen.
Søren Eriksen
Søren Eriksen (60), leitet die REMONDIS A/S seit 2019. Er verfügt über langjährige Erfahrungen in der dänischen Recyclingbranche und hat vor REMONDIS leitende Positionen in anderen Recyclingunternehmen innegehabt.
Bildnachweise: Bild 1: Adobe Stock: Apichaya; Bild 2, 3: Shutterstock: Shutterstock AI; Bild 4: © REMONDIS





