Skip to main content
search

9. Juni 2026

Wärmedämmverbundsysteme – Fluch und Segen

Nach einer Gesetzesänderung wurde eine gut gemeinte Umweltidee zum Sondermüll

Entsorgungsprobleme bei Dämmmaterial

Als die Energiewende Fahrt aufnahm, wurde schnell klar, dass die angestrebten Klimaziele nicht alleine durch die Installation von Windturbinen und Solarzellen zu erreichen sein würden. Zu viel Energie ging durch schlecht gedämmte Häuserfassaden verloren. Eine Initiative zur möglichst flächendeckenden Dämmung von Gebäudefassaden mit Wärmedämmverbundsystemen aus vorbehandeltem Polystyrol wurde auf den Weg gebracht. Heute, viele Jahre später, läuft die erste Sanierungswelle. Doch innerhalb kürzester Zeit wurde durch eine Anpassung an das europäische Abfallrecht der einstmals unproblematische Baumischabfall zum Sondermüll erklärt. Eine zeitnahe Abführung des Materials war kaum noch möglich, Lagerkapazitäten waren nicht vorhanden. Die Folge: Bei den Handwerksbetrieben staute sich der Abfall auf den Betriebshöfen. Viele Hilferufe gingen auch bei REMONDIS ein.

Neue Verordnung zumindest fragwürdig

In der Vergangenheit wurde mit Hexabromcyclododecan (HBCD) behandelter Dämmstoff – nicht zu verwechseln mit harmlosem Verpackungs-Styropor – nicht separat erfasst, da es sich um Baumischabfall handelte, der auf den Baustellen gemeinsam mit anderen Bauabfällen in Sammelbehältern entsorgt werden konnte. Seit dem 30.09.2016 gilt die Verordnung (EU) 2016/460 vom 30.03.2016 zur Änderung der Anhänge IV und V der POP-Verordnung. Darin wird der Stoff HBCD mit einer Konzentrationsgrenze von 1.000 mg/kg gelistet und gilt damit per Gesetz in Deutschland als separat zu erfassender gefährlicher Abfall im Sinne der Abfallverzeichnisverordnung. Dabei zeigt das Beispiel des EU-Nachbarn Österreich, dass es einer solchen Änderung gar nicht bedurfte. In der Alpenrepublik darf das Material in Müllverbrennungsanlagen für nicht gefährliche Abfälle weiterhin mitverbrannt werden. Dort hatte man in Großversuchen nachgewiesen, dass die Mitverbrennung von HBCD-haltigem Styropor mit keinerlei negativen Auswirkungen für die Umwelt verbunden ist. Das Flammschutzmittel HBCD wird vollständig zerstört. HBCD wurde lange in der Dämmstoffindustrie als Brandschutzmittel verwendet und findet sich in nahezu allen verbauten Dämmmaterialien. Der extrem hohe kalorische Brennwert macht es zudem den Verbrennungsanlagen unmöglich, den Stoff als Monocharge in die Anlage zu fahren, was das Entsorgungsproblem weiter verschärft hat.

Mit HBCD behandelter Dämmstoff fällt seit 30.09.2016 in die Rubrik gefährlicher Abfall

REMONDIS treibt Problemlösung voran

REMONDIS stand und steht fest an der Seite der Gewerbekunden und ist intensiv mit Behörden und Ministerien in Kontakt getreten, um das Problem zeitnah zu lösen. Dennoch konnten aufgrund der Gesetzesänderung zuweilen nicht immer alle Mengen abgenommen werden. Mittlerweile haben die Bundesländer eigene Sonderregelungen erlassen, die einem legislativen Flickenteppich gleichkommen.

Die thermische Verwertung von behandelten Dämmmaterialien wurde durch den aktuellen Kapazitätsengpass am Verbrennungsmarkt noch verschärft.

Das Problem ist nicht durch die Recyclingwirtschaft, sondern durch eine vom Bundesrat beschlossene Änderung der Abfallverzeichnisverordnung verursacht worden. Das Bundesumweltministerium hatte die Länderkammer dabei frühzeitig auf auftretende Entsorgungsengpässe hingewiesen. Diese Warnungen wurden ignoriert. Zwar hat sich die Situation durch die aktuell geltenden Sonderregelungen der Länder erst einmal entspannt. Es ist jedoch dringend notwendig, dass der Gesetzgeber zu einer bundesweit gültigen Lösung nach österreichischem Vorbild kommt und die Gefährlichkeit zurücknimmt, damit der Abfall zukünftig wieder im Gemisch verbrannt werden darf. Die Branche geht davon aus, dass sich so ein für alle Bundesländer tragfähiger Kompromiss finden wird, der den reibungslosen Stoffstrom wieder gewährleistet.

Bildnachweise: Bild 1: Fotolia, 68447382, Fotograf: mitifoto

Newsletter

Melden Sie sich ganz unkompliziert zu unserem Newsletter REMONDIS AKTUELL mit Informationen zu Leistungen, Produkten und vielen weiteren Infos an.